Tuba Sarica
Integration · Islamkritik · Weltgeschehen

10.07.2016

Die Liebesfeindlichkeit

Islamistisch motivierte Terrorakte lassen sich mit dem Blick in die muslimische Familie erklären. Erklären. Niemals entschuldigen.

Die Schwulen- und Lesbenfeindlichkeit ist in geradezu jeder durchschnittlichen muslimischen Familie präsent. Der Grund für die Homophobie sitzt tief.
Viele muslimische Frauen und Männer wurden verheiratet. Nur wenn sie Glück hatten, verliebten sie sich auch in den vorgegebenen Partner, zumal dieser der erste Partner überhaupt war, mit dem sie so etwas wie eine Liebesbeziehung erfahren durften. Fest steht, dass sie freiwillig ein Leben innerhalb eines fremdbestimmten Rahmens leben. Von Generation zu Generation hat sich diese Tradition natürlich gelockert, aber die Entwicklung ist zu langsam. Heute darf sich die muslimische Türkin ihren Ehepartner selbst aussuchen. Vorausgesetzt, er ist muslimisch und Türke. Anderes Thema.

Bezüglich ihrer Partnerwahl gab es für unsere Eltern einen wichtigen Moment in ihrem Leben: Nehme ich die Entscheidung der "Erwachsenen" über mein Liebesleben hin oder traue ich mich, mich für mein eigenes Leben zu entscheiden? Mich für mich zu entscheiden? Islamistische Gesellschaftsnormen oder ich. Der Wille anderer oder mein Wille. Anpassung oder Individualität. Der einfachere oder der härtere Weg. Untergebe ich mich besser oder kann ich den Mut aufbringen, diese unheimlich starke Mauer der muslimischen Gemeinschaft zu durchbrechen?

Die homophoben Menschen von heute sind diejenigen, die sich damals für ersteres entschieden haben.
Was bedeutet das? Es bedeutet, jemanden an seiner Seite zu haben, den man nur relativ gut an seiner Seite ausstehen kann. Es bedeutet, nicht das ganze Potential des Glücklichseins auf dieser Welt auszuschöpfen. Es durch andere Menschen einschränken zu lassen. Es bedeutet, seine Träume aufzugeben.
Das haben diese Menschen für die muslimische Gemeinschaft geleistet. Mit dieser fatalen Fehlentscheidung müssen sie nun ein ganzes Leben lang leben. Und am besten lässt es sich mit einer Fehlentscheidung leben, wenn sie einem nicht vorgehalten wird. Wenn man nicht an sie erinnert wird.

Am besten lässt es sich mit ihr leben, wenn man sich, auch mitten im Westen, nur innerhalb der muslimischen Gemeinschaft bewegt. Dort haben sich auch die anderen für den falschen Weg entschieden. Dort ist der einfache Weg die Normalität. Auch die Kinder sollen den Schmerz weitertragen und es auf die Religion schieben. So lässt sich der Schmerz am besten verbergen.
Zu schmerzhaft wäre es, Freundschaften außerhalb der Parallelgesellschaft zu haben. Dann würde man mit ansehen müssen, was für ein großes Glück andere mit ihrem Partner genießen. Deswegen: Abstand halten. Solange der Bewohner der Parallelwelt nichts mit dem Europäer und Amerikaner zu tun hat, stört ihn das heterosexuelle westliche Paar weniger. Bei ihnen ist der freie Wille zumindest nicht auf den ersten Blick erkennbar.

Aber homosexuelle Paare?! Nun ja. Sie sind die Liebenden, bei denen die freie Partnerwahl am stärksten nach außen hin sichtbar ist. Sie haben sich entgegen aller Homophobie dafür entschieden, ihre Liebe frei zu leben und ihr Seelenheil nicht um des lieben Frieden willens zu opfern. Homosexuelle halten dem Fundamentalisten seine Fehlentscheidung schonungslos vor Augen. Den Schmerz, den zu verbergen er mit aller Lebensenergie versucht hatte. Den Mut, den er selbst nicht mutig genug war, aufzubringen.

Da, wo Worte fehlen, entsteht Hass. Homophobie ist das eigene Versäumnis, Mut zu beweisen. Es ist die Wut auf all' diejenigen, die es sich herausnehmen, frei zu leben, während sie selber mit ihrer Fehlentscheidung leben müssen.
Der Hass der Fundamentalisten ist kein speziell auf Homosexuelle zugeschnittener Hass. Er ist der Hass auf die Liebe im Allgemeinen. Die Liebe, für die sie nicht mutig genug sind.